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Onkel Frieda oder: Fragen, weit über den einen Tag hinaus

Udo Jürgens hat 1976 das Lied Tante Emma veröffentlicht.
Er stellte die persönliche Kundenbindung der Kälte der Discounter gegenüber.

Denn der Tante Emma-Laden war plötzlich verschwunden.
Die heutige Jugend kennt ein derartiges Geschäft gar nicht mehr.
Die Tante Emma in ihrem Laden kannte jeden Kunden persönlich.
Die Tante Emma
– hatte also eine sehr persönliche Kundenbindung
– gab Kindern stets eine kleine Aufmerksamkeit
– bot Einkauf auf Anschreiben an
– vergab Rabattmarken-Hefte
– verschenkte Warenproben
– erfüllte Sonderbestellungen auf Kundenwunsch
– stellte Geschenkkörbe zusammen
– und hatte immer ein offenes Ohr

Doch die Tante-Emma-Läden sind „fast“ alle verschwunden.

Grund hierfür: 1974 wurde die Preisbindung gesetzlich verboten und der Siegeszug der Discounter begann.

Onkel Frieda, gerne wartend und manchmal fragend, kann sich mit dem Untergang der Tante-Emma-Läden nicht abfinden.
Als gewiefter Journalist fragt er jetzt seinen Tante-Emma-Laden in Zweibrücken:
Wann machst Du eine Rabattaktion, wie der Tante-Emma-Laden in Homburg?
Was machst Du gegen den ersten Discounter in Zweibrücken?
Ja wir haben freie Marktwirtschaft, so Onkel Frieda. Aber egal und zwischen den Zeilen gelesen, kann man mit dem Discounter nicht sprechen, vielleicht zunächst in Homburg sein Geschäft zu eröffnen.

„Reicht das, was an Neuerungen und Althergebrachten im kommenden Jahr ins Haus steht, aus?“ so fragt der Onkel Frieda die Tante Emma.

Doch jede Tante Emma in ganz Deutschland musste sich früher oder später eingestehen, dass es nicht reicht.
Und ganz offensichtlich lag es nicht an den fachlichen Qualitäten der Tante Emma.
Doch unser Onkel Frieda glaubt ganz fest daran, dass er, wenn er nur gedurft hätte, seinen Tante-Emma-Laden in eine erfolgreiche Zukunft geführt hätte.
Wie genau, das bleibt „dem Onkel Frieda sein Geheimnis“.

Heute sehen sich viele Unternehmen einer ähnlichen Situation gegenüber.
Viele benennen es mit dem Wort „Internet-Revolution“.
Digitale Intermediäre, wie zum Beispiel Amazon, Zalando, Lieferheld, haben den Verkaufsprozess „digitalisiert“.

Und der Kunde findet das offensichtlich wunderbar. Einfach im Smartphone etwas bestellen, morgen wird es geliefert.
Das Kundenverhalten hat sich durch das Smartphone total verändert.
In 2018 ist der Online-Umsatz auf 53 Milliarden Euro gestiegen.
Wer das in seine Fragestellungen nicht einbezieht, dreht sich im Kreis.

Für den Tante-Emma-Laden gab es in den 70-er Jahren keine Lösung.
Für viele Einzelhändler in den Innenstädten aller deutschen Städte gab es sie auch nicht.

Und mein lieber Onkel Frieda, daran sind schon gar nicht die Saarländer schuld.
Sondern die Saarländer haben die gleichen Probleme wie wir.

Es geht also gerade nicht darum, ob der „Saarländer-Tag“ erhalten bleibt.
Jede Frage hierzu ist komplett belanglos und bedarf auch keiner Antwort.

Die wirklich entscheidende Frage lautet: Bleibt die Zweibrücker Innenstadt mit einer Einkaufspassage erhalten?
Denn auch das ist eine Wirklichkeit: es gibt bereits Städte, die in ihren Innenstädten leerstehende Ladenflächen in Wohnraum umgewandelt haben.

Die Waffen der Tante Emma in den 70-er Jahren waren stumpf, der Kunde wollte nicht aus zwei Käsesorten auswählen, sondern aus 100.
Und der Kunde wollte auch nicht die hohen Preise bei der Tante Emma bezahlen.

Doch heute ist die Nutzung der digitalen Kommunikation keine Domäne mehr der Internet-Giganten wie Amazon.
Jeder kann heute auch im Internet/Smartphone mit seinen Kunden kommunizieren.

Klar ist aber auch, dass man sich im Internet zusammenschließen muss.
Amazon ist kein Händler, sondern bietet Händlern seine „Internet-Technik“ an, Waren online zu verkaufen.
Flixbus ist keine Reisebusunternehmen, denn das Unternehmen besitzt keinen einzigen eigenen Bus, sondern es bietet vielen Busunternehmen lediglich an, mit „Internet-Technik“ ihre Busse mit Fahrgästen auszulasten.
Lieferheld kann gar nicht kochen, ist also kein Gastronom, sondern bietet vielen Gastronomen an, sie mit hungrigen Gästen zu versorgen, ebenfalls natürlich mit „Internet-Technik“.

Wenn es einer Stadt gelingt, gemeinsam zu handeln und dies noch mit „digitaler Kommunikation“ zu verknüpfen, dann bestehen gute Chancen für die Einkaufspassagen in den Innenstädten. In Zweibrücken und auch in Homburg.